Monthly:August 2016

Hangbahntraining – genial einfach und immer los-gelassen


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Die ersten Übungen an der Hangbahn erfolgen im Schritt am langen Zügel mit Genickkontrolle.

 

Kurt Albrecht von Ziegner – einen Schüler von Paul Stecken – hat vor vielen Jahren die Hangbahn entwickelt. Verspannte Pferde lassen sich schneller los, sie schnauben entspannt ab, sind zufrieden, haben Spaß an der Bewegung und nebenbei baut man auch noch die Muskulatur des Pferdes auf.

Die Hangbahn ist ein schräges Gelände, auf dem man mit dem Pferd bergauf und bergab reiten kann und die Schrägen nutzt, um Gleichgewicht, Geschicklichkeit und Trittsicherheit des Pferdes zu fördern. Das Pferd baut durch dieses Training Kraft auf, die Hankenbeugung und damit die Beweglichkeit der Hinterhandgelenke wird verbessert. Darüber hinaus haben Pferde an diesen kleineren und größeren Klettertouren auch noch richtig Spaß.

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Grafische Darstellung einer Hangbahn
Aus: „Elemente der Ausbildung“ von Kurt Albrecht von Ziegner

 

Jeder erfahrene Reiter kennt die mannigfachen Probleme, die bei der Ausbildung auftreten können. Fast alle diese Probleme (wenn sie nicht gerade klinischer Natur sind) haben ihre Ursache in der mangelnden Losgelassenheit des Pferdes. Wenn man nicht in der Lage ist Steifheiten und Verspannungen zu beseitigen, dann geht leider nichts: kein Takt, keine Anlehnung, keine Durchlässigkeit, ganz zu schweigen von Geraderichten, Schwung und Versammlung.

Das erste Augenmerk ist also auf die Losgelassenheit zu richten, auch wenn sie in der Skala der Ausbildung erst an dritter Stelle steht. Sie begleitet uns durch die gesamte Ausbildung des Pferdes. Bis in ein hohes Alter und bis zu jedem Ausbildungsstand. Um die Losgelassenheit des Pferdes zu unterstützen und um es gleichzeitig auf abwechslungsreiche Art zu gymnastizieren, was ja der Hauptzweck der Dressur ist, ist die Hangbahn eine wirkungsvolle und dabei schonende Ausbildungshilfe.

Die Hangbahn ist ein „Reitplatz“ mit einem leicht abfallenden Gelände von unterschiedlichen Formationen. Wenn sich die Möglichkeit bietet, kann man dafür ein Waldgelände oder eine Wiese mit einem Neigung der Bahn von ca. zehn Grad verwenden. Eine Hangbahn sollte zwei ebene lange Seite von 60 und 80 Metern und zwei schräg ansteigende beziehungsweise abfallende kurze Seiten haben. Diese sind zwischen 30 und 40 Metern lang. Die Ecken sind stark abgerundet. Die Linien für den Handwechsel sind vorgegeben.

Der Trainingseffekt ist groß, der durch das Reiten von beispielsweise auch großen gebogenen Linien auf leicht ansteigendem und abfallendem Boden zustande kommt. Auf einer Hangbahn können alle grundlegenden Hufschlagfiguren geritten werden. Zirkel, Handwechsel durch die Halbe und ganze Bahn.

 

Sinnvoller Trainingsaufbau

Wenn man mit der Arbeit an der Hangbahn beginnt sollte man zuerst im Schritt am langen Zügel reiten. Dabei sollte das Pferd in einem entspannten Mittelschritt gehen. Der Hals dehnt sich vorwärts-abwärts, die Rückenmuskeln sind locker und der Schritt ist taktrein.

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Zu Beginn reitet man m Schritt am langen oder mit hingegebenem Zügel, damit sich das Pferd an die Bodenverhätlnisse gewöhnen kann.

 

Man sollte als Reiter die Bügel etwas kürzer schnallen und im Entlastungssitz reiten. Die Hände folgen der Nickbewegung des Pferdes, alle zwei bis drei Schritte sollte man eine Halbe Parade am äußeren Zügel geben. Eine konstante und gefühlvolle Anlehnung sollte das Ziel sein. Da sich das Pferd an die ständig wechselnden Steigungen und das Gefälle anpassen muss, ist es nicht notwendig, das Pferd vermehrt zu treiben. Die Pferde geben den Rücken von selbst her und die Hinterbeine schieben vermehrt unter den Schwerpunkt.

Der Reiter muss mit den Bewegungen mitgehen und fordert durch das abwechselnde Dehnen (bergauf) und Zusammenschieben (bergab) eine ständige Veränderung des Schwerpunktes. Die Kräfte der Hinterhand wechseln zwischen Schubkraft und Tragkraft.

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Auf der Hangbahn im Schritt bergauf reitet man im mittel- oder starken Schritt. Dabei soll sich das Pferd vorwärts abwärt dehnen und so den Rücken hergeben.

 

Durch diesen Zieharmonika-Effekt werden allmählich sämtliche Verspannungen im Rücken- und Halsbereich gelöst, Losgelassenheit und Durchlässigkeit erreicht.

Gerade bei der Bergaufarbeit schnauben die Pferde regelmäßig ab. Zu Beginn der Arbeit neigt manches Pferd dazu, bergauf mit erhobenem Kopf zu „hüpfen“ oder zu galoppieren und bergab geraten sie schnell ins Schlingern. Wenn die Pferde gelernt haben, mit dem ständigen Wechsel zwischen bergauf und bergab umzugehen, wird sich das mit der Zeit legen. Wenn man die Hangbahn für die Schrittarbeit nutzt, reitet man bergauf im starken Schritt, auf der Ebene im Mittelschritt und bergab im versammelten Schritt.

Wenn die Schrittarbeit gefestigt ist, kann man mit der Trabarbeit beginnen. Das Pferd sollte dazu schon eine korrekte Anlehnung gefunden haben, das Gebiss annehmen. Im Trab erfolgt die Arbeit dann genau wie im Schritt. Beim bergaufreiten werden die Tritte verlängert, auf der Ebene reitet man im Arbeitstrab und bergab im versammelten Trab. Besonders bergauf kann man dann immer wieder Zügel aus der Hand kauen lassen reiten. Dadurch wird die Dehnungsbereitschaft verbessert und die Pferde lernen den Hals fallen zu lassen.

Der Galopp ist die schwierigste Gangart an der Hangbahn, zugleich jedoch die effektivste. Die Muskulatur des Rückens und der Sprunggelenke wird stark beansprucht, da die Hinterbeine beim bergaufreiten weiter unterspringen müssen.

Wenn man es schafft, dass das Pferd nach vier bis fünf Trainingseinheiten auf der Hangbahn im Rhythmus bergauf Galoppsprünge verlängern gehen kann und bergab die Galoppsprünge verkürzt oder seitlich auszuweichen, sich zu verwerfen oder sich auf die Hand zu legen, haben Reiter und Pferd eine gute Arbeit geleistet.

Wenn man diese Arbeit in den Grundlagen perfektioniert hat und die Pferde losgelassen sind, kann man die Anforderungen durch die Arbeit mit Stangen oder Cavaletti noch etwas steigern. Man sollte die Stangen dann zu Anfang allerdings erst einmal nur beim bergaufreiten einsetzen und das in Schritt und Trab.
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Ich habe das Hangbahntraining mit einem Sprung über einen niedrigen Baumstamm beendet. Auch ein Dressurpferd hat daran richtig Spaß und es macht den Rücken wunderbar locker!J

 

 

Rückwärtsrichten … bei manchen Pferden sehr schwierig

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Die Demonstration zeigt es: Ein so ausgeführtes Rückwärtsrichten führt beim Pferd zu Verspannungen, was der unruhige Schweif zeigt. Die Hand zu hoch, die Absätze hoch gezogen, der Reiter im Oberkörper verdreht, die Nase des Pferdes hinter der Senkrechten.

 

Beim Rückwärtsrichten gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen: Die einen meinen, man müsse sich nach vorne lehnen, also das Pferd entlasten. Andere gehen davon aus, dass der Reiter im Schwerpunkt zu sitzen hat und wieder andere lehnen sich dabei nach hinten. Ähnlich unterschiedlich verhält es sich mit den Gewichts-, Schenkel und Zügelhilfen.

 

Ursachen für Probleme beim Rückwärtsrichten

Wenn Pferde nicht oder auch nicht korrekt Rückwärtsrichten, dann kann das viele Ursachen habe: Bei jungen Pferden beispielsweise, die gerade mit dem Rückwärtsrichten beginnen, sieht man, dass sie noch keine Kraft haben, die Hankengelenke zu beugen. Sie versteifen das Hinterbein und stoßen in die Hand, treten stockend rückwärts, kommen hinter die Senkrechte, ziehen die Kruppe nach oben.

Allein aus diesem Grund sollte man immer nur wenige Tritte Rückwärtsrichten. Im ersten Jahr unter dem Sattel sollte man auf das Rückwärtsrichten allerdings grundsätzlich verzichten. Durch die mangelnde Kraft würde das junge Pferd ausweichen müssen. So würde es sich Fehler angewöhnen, die in der weiteren Ausbildung wiederum schwieriger zu beseitigen sind

Beim Rückwärtsrichten ist also zu unterscheiden: Handelt es sich um ein junges oder unerfahrenes Pferd, dann sollte man den Oberkörper etwas vornehmen, es dem Pferd auch über den Sitz erleichtern. Man ist ja froh, wenn das Pferd überhaupt einige Tritte rückwärts tritt. Auch sollte man sich in diesem Fall eine seitliche Begrenzung suchen, damit das Pferd nicht zur Seite ausweichen kann. Dafür kann man auf der einen Seite die Bande nutzen und auf der anderen Seite eine Stange hinlegen, später dann kann man ein Schiefwerden mit Schulter-vor-Stellung korrigieren.

Jungen Pferden fällt Rückwärtsrichten noch sehr schwer. Einfach, da ihnen die Kraft in der Hinterhand fehlt. Dann geht es beim Rückwärtsrichten nicht um korrekte Hankenbeugung, sondern nur darum, dass sie erst einmal tun! Da reichen 2-3 Tritte vollkommen aus. Danach loben und wieder Vorwärtsreiten. So kommt es gar nicht erst zu weiterführenden Verspannungen.

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Remonte zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres bei den ersten Versuchen rückwärts zu richten. Man sieht deutlich, wie schwer es dem jungen Pferd fällt. Hier wäre es sinnvoll gewesen, dem Pferd die Unterstützung durch die Bande zu geben….

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Das gleiche Pferd zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres. Es ist schon etwas besser. Eine korrekte Hankenbeugung kann es noch nicht zeigen.

 

Bei einem weiter ausgebildeten Pferd sollte man gerade im Schwerpunkt sitzen, ohne selbst mit dem Oberkörper zu schaukeln oder sich zu weit nach hinten zu lehnen. Da geht es nicht mehr um das Rückwärts an sich, sondern darum, die Hankengelenke mehr zu beugen, eine korrekte diagonale Fußfolge zu erreichen und die Versammlungsfähigkeit zu verbessern.

Zu den am meisten auftretenden Fehlern beim Rückwärtsrichten gehören schief werdende, nicht diagonal tretende, ihre Hufe durch den Boden ziehende Pferde. Pferde, die nicht durchlässig sind und nur mit Widerstand rückwärts gehen. Pferde, die den Rücken weg drücken, gegen die Hand drücken oder sich eng machen im Hals. Pferde, die diese Verhaltensweisen zeigen, lassen sich nicht los, sind nicht ausreichend gymnastiziert, die reiterliche Einwirkung ist fehlerhaft, das Zusammenwirken der Hilfen des Reiters funktioniert noch nicht. Ein grober Fehler wäre es, das Pferd dann mit einer starren und unnachgiebigen Hand rückwärts zu ziehen. So kommt man zu keiner harmonischen Rückwärtsbewegung.

Viele Reiter machen den Fehler, die Unterschenkel viel zu weit zurück zu legen. Dadurch können die  Pferde nicht mehr korrekt rückwärts treten, sondern sie kriechen in sich zusammen, weil sie der zurückgelegte Schenkel stört. Selbst beim Rückwärtsrichten muss das Pferd vor dem Schenkel des Reiters sein und wenn dieser so zurückgenommen wird, wirkt der Schenkel ausschließlich störend und rückwärts im falschen Sinne.

 

Möglichkeiten, Probleme beim Rückwärtsrichten zu lösen

Manche Pferde treten überhaupt nicht rückwärts. Das kann vielerlei Gründe haben. Am besten beobachtet man dann erst einmal die Stellung der Hinterbeine. Stehen diese zu weit nach hinten heraus, kann das Pferd ab einem gewissen Grad kaum mehr Rückwärtstreten. Dann muss man an der Gesamtdurchlässigkeit arbeiten. Das heißt, die ganzen Paraden verbessern und dafür sorgen, dass das Hinterbein dabei schon mehr heranschließt. Auch kann man dieses Problem mit Hilfe der Vorhandwendung üben. Durch die Vorhandwendung kommt die Hinterhand weiter unter den Schwerpunkt. Das kann man nutzen, um daraus ein Rückwärtsrichten einzuleiten. Das Pferd kann nicht mehr nach hinten ausweichen und tritt, herangeschlossen, nach rückwärts.

Ist ein Rückwärtsrichten schwierig, das Pferd unwillig, weil es sich vielleicht unwohl fühlt, im Rücken verspannt ist oder es nie korrekt gelernt hat, sollte man sich mit ein bis zwei Tritten Rückwärts zu Beginn zufrieden geben, sein Pferd ausgiebig loben und dann einfach nach einigen Metern gerade aus reiten noch einmal Halten und ein bis zwei Tritte Rückwärtsrichten. Will man diese Lektionen üben, reichen 5-6 Wiederholungen aus.

Auch kann ein Nicht-Rückwärtstreten wollen oder schief treten einen gesundheitlichen Hintergrund haben. Hat ein Pferd beispielsweise einen Beckenschiefstand oder eine Bewegungseinschränkung im Bereich der Lendenwirbelsäule, dann fällt ihm ein gerades und korrektes Rückwärts schwer.

Manche Pferde eilen bei geringster Zügelhilfe in viel zu schnellen Tritten rückwärts. Das abzustellen ist nicht einfach. Es hilft dann nur, das Pferd nach dem Rückwärtseilen still stehen zu lassen. Einen Tritt vorgehen zu lassen, dann wieder still stehen zu lassen und erst wieder mit dem Rückwärts zu beginnen, wenn es in der Lage und bereit ist, auch auf die ganze Parade korrekt einzugehen. Ein grober Fehler wäre es, in solchen Momenten den Zügel quasi weg zu schmeißen oder sich massiv nach hinten zu lehnen, das würde das Problem nur verschlimmern.

Handelt es sich allerdings um Widersetzlichkeit aufgrund von Ungehorsam, das also Pferd nicht rückwärts will, kann man sich ruhig eine Person zur Unterstützung hinzu-ziehen, die von unten mit Stimme und beispielsweise Anlegen einer Gerte gegen die Brust oder durch leichtes Klopfen auf das Vorderbein ein Rückwärtsrichten unterstützt.

Wenn Pferde mit dem Schweif schlagen ….

Der unruhige Schweif …und der feste Rücken

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Galoppieren im leichten Sitz und loben machen den Rücken locker und bringen dem Pferd Entspannung 🙂

 

Vor einiger Zeit sagte mir ein in seinen Augen absoluter Fachmann mit voller Überzeugung: „Wenn Pferde mit dem Schweif schlagen, hat das nichts damit zu tun, dass sie verspannt sind! Es liegt an der Zucht!“

„Na bravo!“, habe ich gedacht, „so weit sind wir also schon gekommen! Die nicht wenig verbreitete Unfähigkeit, sein Pferd zur Losgelassenheit zu bringen liegt an der Zucht…. An der Zucht von Pferden, die so rittig und leistungsbereit geworden sind wie nie zuvor…. Die wir aber aufgrund ihrer hohen Qualität scheinbar nicht wirklich bedienen können.

Wie war das noch? Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, dann liegt das an der Badehose?

Da aber „Losgelassenheit langweilig und unsportlich“ ist, wie das ein international anerkannter Spezialist in einem Interview schon in 2009 äußerte, kann man ja auch nicht erwarten, dass der unruhige und pinselnde Schweif nicht am Pferd liegt.

 

Ist man jedoch ehrlich zu sich selbst und beginnt, seine eigene Reiterei kritisch zu hinterfragen, grundlegende und unumstößliche biomechanische Grundlagen einfach als gegeben akzeptiert, dann steht der unruhige Schweif und der damit verbundene feste Rücken stellvertretend für ein verspanntes Pferd. Der Schweif ist die Verlängerung des Rückens. Ist der Rücken verspannt, schlägt das Pferd mit dem Schweif. Ein Pferd kann sein Unwohlsein unter dem Reiter im ersten Schritt nur darüber ausdrücken. Es ist ein deutlicher Hinweis, dass durch fehlerhafte Einwirkung, fehlerhaft ausgeführte Lektionen, zu hohen Anforderungen, vielleicht auch ein unpassender Sattel oder Schmerzen Verspannungen entstanden sind.

Da heute allerdings die meisten Pferde nachhaltig mit dem Schweif schlagen, hat man sich vermutlich so daran gewöhnt, dass kaum einer mehr darüber nachdenkt, dass die Pferde offensichtlich (ziemlich) verkrampft sind.

 

 Das richtige Lösen ist die Basis für die Losgelassenheit und verhindert, dass Pferd mit dem Schweif schlagen!

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Eine der wichtigsten Lektionen, um ein Pferd zu ehrlicher Losgelassenheit zu bringen ist das Zügel aus der Hand kauen lassen!

 

Am Anfang eines jeden Reitens steht das Lösen. Das erreicht man über einen systematischen Trainingsaufbau. Lösen und loslassen gehören zusammen. Erst wenn sich das Pferd gelöst hat, dass der Rücken zum Schwingen kommt, die korrekte Anlehnung erreicht ist, der Schweif entspannt hin und her pendelt, dann ist das Pferd losgelassen und man kann je nach Ausbildungsstand an Versammlung denken. Ganz so, wie es Richard Wätjen formuliert: „Nur was sich loslässt, lässt sich versammeln.“

 

Heute wird es allerdings allzu oft genau anders herum gehandhabt:

  • Wie oft werden versammelnde Lektionen geritten, obwohl es mehr als offensichtlich ist, dass das Pferd nicht losgelassen ist.
  • Reiter fangen mit der Versammlung an, aber es sind weder ausbildungstechnische noch muskuläre Grundlagen vorhanden, die eine korrekte Versammlung überhaupt möglich machen könnten. Man spricht aber schon mal von Piaffe und Passage.
  • Man sieht Pferde, die pausenlos im versammelten Galopp mit dem Kopf nicken – und natürlich mit dem Schweif schlagen!
  • Man sieht Pferde, die in der Trabverstärkung von Hand aufgerichtet werden, die Vorderbeine marionettenhaft nach oben reißen, die Hinterbeine durch den Sand ziehen – und natürlich mit dem Schweif schlagen!
  • Man sieht aufwendige Traversalen, bei denen man überlegen muss, wie weit die Pferde mit ihren Beinen wohl noch ausgreifen sollen – und der Schweif schlägt nachhaltig.
  • Man sieht verspannt gerittene Einerwechsel, die schon von weitem krampfig hüpfend aussehen und Pferde – die mit dem Schweif schlagen!
  • Man beobachtet Piaffen, bei denen sich alles inklusive Kopf nach unten hinten ver-kriecht – und Pferde, die mit dem Schweif schlagen!

Woran das wohl alles liegt? Mit 100%iger Sicherheit nicht daran, dass diese Pferde losgelassen sind und den Rücken hergeben!

Da heute auch in der Ausbildung alles immer schneller gehen muss, die Pferde kaum mehr die Zeit für ihre Entwicklung haben, die sie eigentlich dringend brauchen, damit sich inklusive Muskeln alles so entwickeln kann, dass sie gesund bleiben, bleibt neben reeller Ausbildung auch die Losgelassenheit auf der Strecke.

Bei immer mehr Pferden ist der Rücken fest. Wie wird ein Pferd diese Verspanntheit im ersten Moment zeigen? Natürlich damit, dass der Schweif unruhig pinselt.

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Das Pferd ist nicht ehrlich losgelassen! Es ist im Genick leicht verworfen, das Maul ist nicht geschlossen. Der Schweif zeigt die Spannung im Rücken. Es ist etwas weg gesstreckt.

 

„Wichtige grundlegende Übungen und Lektionen werden heute weggelassen oder sind nicht mehr bekannt“,  so sagt Paul Stecken immer. Damit gehen scheinbar die Grundlagen verloren, die sich dadurch offenbaren, dass der Schweif als Ausdruck der innerer und äußerer Verspanntheit pinseln muss, statt ruhig und als Zeichen von innerer und äußerer Losgelassenheit pendeln zu können. Dabei gibt es so einfache Übungen, die jedes Trainings effizient gestalten und immer zur Losgelassenheit führen, wenn der Reiter alle zwei bis drei Tritte eine Halbe Parade gibt, die vermehrt am äußeren Zügel erfolgen muss und mit einem gefühlvollen Nachgeben der inneren Hand endet.

 

So geht es!

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Während die Losgelassenheit beim jungen Pferd das Ziel einer Trainingseinheit ist,  ist sie beim weiter gerittenen Pferd das Ergebnis der Lösungsphase und sollte innerhalb von 15-20 Minuten erreicht sein. Als Basis für die darauffolgende Versammlung dienen.

Diese Lösungsphase besteht immer aus Zügel aus der Hand kauen lassen. Aus Lektionen, die die Rippenbiegung verbessern (wie die große und die kleine Acht, Schlangenlinien durch die ganze Bahn in der früher üblichen S-Form, häufige Handwechsel), aus erstem Tritte und Sprünge verlängern und aus Schrittphasen, bei denen man den Zügel aus der Hand kauen lässt bis zur Schnalle. Wenn die Pferde dann in Schritt, Trab und Galopp entspannt abschnauben und der Rücken zum Schwinge kommt, kann die versammelnde Arbeit beginnen, der Reiter aussitzen und das Pferd den Rücken hergeben – aber erst dann!

Auch während des Trainings beim gut gerittenen Pferd kann es immer wieder Phasen geben, in denen es sich verspannt, kurzzeitig mit dem Schweif schlägt. Das kann durch eine hohe Anforderung kommen, durch neue und für das Pferd schwierige Lektionen entstehen, durch fehlerhafte Einwirkung des Reiters, durch Missverständnisse zwischen Reiter und Pferd oder durch Unsicherheit. Auch dann ist das Allheilmittel: Zügel aus der Hand kauen lassen. Denn es führt – korrekt ausgeführt – immer zur Losgelassenheit des Pferdes und damit zum ruhig pendelnden Schweif.

 

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Da man mehr verspannt unruhige Schweife als entspannt pendelnde sieht, könnte man daraus schließen, dass die Dinge ziemlich einheitlich in die falsche Richtung laufen. Ob es sich dabei um Handfehler, Sitzfehler, Lektionenfehler oder im fortgeschrittenen Stadium um Schmerzen handelt. Mit dem Schweif fängt alles an. Der Rücken ist fest. Dann werden die Bewegungen unharmonisch und ruckartig, oftmals stellen sich erste Schmerzen ein.

Der Rücken ist das Bewegungszentrum des Pferdes. Bringen wir diesen nicht zum Schwingen, geht die Bewegung nicht von hinten nach vorne durch den Körper des Pferdes, es kann sich nicht loslassen. Da helfen dann auch keine spektakulären Bewegungen oder aufwendige Verstärkungen. Da helfen dann aber auch keine druchhängenden Zügel oder ein Reiten, bei dem die Vorwärtstendenz verloren geht.

Muskeln müssen immer unverkrampft an- und abspannen können, müssen sich dehnen und zusammenziehen wie eine Blasebalg, müssen immer mit ausreichend Sauerstoff versorgt sein und korrekt belastet werden, ohne überlastet zu sein. Dann pinselt auch kein Schweif und kein Rücken ist fest.

Deshalb sollte man es sich für sich selbst zum Grundsatz erheben:

„So wie nach jeder Versammlung eine Verstärkung erfolgen muss, muss nach jeder Aufrichtung ein Zügel aus der Hand kauen lassen kommen!“

 

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