Monthly:Januar 2017

Aufrichtung und Versammlung beim Reiten

Auf den ersten Blick erscheint das 5-jährige Pferd in einer korrekten relativen Aufrichtung, die Nase an der Senkrechten. Auf den ersten Blick!

 

Bei genauerer Betrachtung jedoch sieht man, dass das Reithalfter zu eng verschnallt ist, die Zügel sehr kurz sind und der Reiter mit dem Oberkörper zu weit nach hinten verlagert ist. Das Pferd ist nicht taktrein. Es zeigt eine Einbeinsteinsstütze. Der Trab ist jedoch ein Zweitakt in vier Phasen. Das heißt, bei jedem Trabtritt müssen – soll der Takt sicher geregelt, also taktrein sein – immer zwei Hufe auf dem Boden berühren.
Ist das nicht der Fall weist das auf mehrere meist grundlegende Fehler hin:

  • Der Rücken ist nicht hergegeben und das Pferd nicht ehrlich losgelassen.
  • Der Reiter versucht den Trab so spektakulär und ausdrucksvoll darzustellen, dass das Pferd aus dem Gleichgewicht kommt und nicht mehr ehrlich aus der Hinterhand schiebt., sondern aus der Vorhand zieht.
  • Das Pferd hat noch nicht die Kraft, eine solche Aufrichtung und Verstärkung über eine längere Tour zu halten.
  • Die Aufrichtung ist von Hand herbeigeführt. Es handelt sich somit um absolute Aufrichtung.
  • Der hier gerittene Mitteltrab kann vom jungen Pferd noch nicht gehalten werden, da ihm unter anderem die Kraft und Elastizität fehlen. Das zeigt sich in der fehlerhaften Fußfolge.
  • Betrachtet man sich die Muskeln direkt hinter dem Sattel, erkennt man auch da die Verspannung und die Entwicklung einer ersten Fehlbemuskelung. Der Rücken ist direkt hinter dem Sattel abgesunken ist, statt in gerade oder leicht angehobener Form in die Kruppe quasi überzugehen. Nur wenn ein Pferd gelernt hat, den Rücken herzugeben, dann geht das eine harmonisch in das andere über.
  • Das Pferd ist verspannt.

Felix Bürkner (1883 – 1957) war einer der großen Reitmeister der deutschen Reitkunst. Mit seinem weltweit bekannten Pferd Herder erarbeitete er sich international größte Anerkennung. Er hat bewiesen, dass man mit einem Pferd mit durchschnittlichen Anlagen und  einem durchschnittlichen Gebäude alles erreichen kann, wenn man dem Pferd die Zeit lässt, die es braucht, um sich so zu entwickeln wie es ihm möglich ist. Er hat gezeigt, dass man manchmal einfach warten muss, bis Pferde die Kraft und Elastizität besitzen, sodass sie schwere Lektionen einfach anbieten. Allerdings erst dann, wenn sie es können.

Aus seinem Buch „Ein Reiterleben“ stammt die folgende Passage, die er im Zusammenhang mit Aufrichtung und Versammlung eines Pferdes niedergeschrieben hat:

„Sein ganzes Heil liegt lediglich und allein in einer bis zur Vollendung gesteigerten Campagneschule, in der die Pferde sich selbst tragen, absolut gerade gerichtet sind und schwungvoll und graziös vor den Hilfen der Reiter herfliegen – in freien Gängen sowohl wie in den versammelten. Nur daraus darf Versammlung und Aufrichtung soweit gesteigert werden, dass die Pferde gleichsam aus sich heraus Schullektionen im Ausdruck höchster Versammlung und vollendeter Aufrichtung anbieten.“

 

Aufrichtung und Versammlung mit Ruhe sicher erreichen

Heute muss immer alles schnell gehen und wir wollen spektakulären Auftritte sehen und das in allen Bereichen des Sportes. Das reduziert sich nicht nur auf den Reitsport. Dabei werden ausdrucksvoll und spektakulär jedoch oft verwechselt und so entstehen viele unschöne Bilder. Es wird mit Druck und Zwang gearbeitet und das endet immer in einer Sackgasse.

Man kann aber auch anders herangehen und dann führen Bemühungen zum Erfolg. Das mag im ersten Schritt länger dauern, ist aber im zweiten Schritt der kürzere Weg und somit geht es schlussendlich doch schneller, denn das Pferd bleibt gesund. Es entstehen keine krankheitsbedingte Ausfälle durch reiterliche Fehler und so hat das Pferd Spaß und Freude an der Bewegung und der Arbeit mit seinem Reiter.
Dann sieht man kaum mehr die Hilfen und alles erscheint, als komme es von selbst einfach so – spielerisch! Das fühlt sich leicht und kraftvoll an!

 

Das Pferd auf dem Foto ist deutliche fehlerhaft bemuskelt. Die Oberlinie wirkt kantig und unharmonisch. Der Rücken ist hinter dem Sattel abgesunken. Das ist beispielsweise ein Hinweis darauf, dass das Pferd im Hals dauerhaft zu eng im Hals geritten wird und somit das Hinterbein nicht mehr ausreichend aktiv abfußen kann.

Das Pferd hat eine runde Kruppe und eine harmonische Oberlinie, keine Absenkung des Rückens direkt hinter dem Sattel. Ein Hinweis darauf, dass sich das Pferd beim Reiten loslässt und sich in der Ausbildung sehr viel Zeit gelassen wurde, damit sich Muskeln richtig entwickeln können.

 

Die geistige Reife

Die Pferdezucht hat sich unglaublich verbessert. Es ist aber ein Trugschluss zu denken, dass deshalb die Pferde von heute in der Ausbildung weniger Zeit benötigen als die Pferde früherer Jahre. Selbst wenn sie heute vieles von der Natur mitbringen, was früher erarbeitet werden musste, auch wenn vieles schon vorhanden zu sein scheint, ist der Weg ein langer Weg. Bis die Muskulatur genügend gekräftigt ist, die Gelenke an Arbeit gewöhnt und die Pferde soweit gefestigt sind, dass sie physisch und psychisch den Anforderungen gewachsen sind, dauert es viel länger als man gemeinhin annimmt. Ganz besonders in der Ausbildung der Pferde sollte ein altes Sprichwort gelten „der Weg ist das Ziel“.

 

Es ist kontraproduktiv, in einer für das Pferd hochgradig stressbelastenden Situation zusätzlich grob einzuwirken. Sinnvoller ist es, den Zügel lang zu lassen, damit sich das Pferd auch innerlich wieder entspannen kann. Ein Loben ist besser als Strafen!

 

Zuerst einmal muss das Pferd geistig in der Lage sein, die ihm gestellten Anforderungen zu erreichen. Heute sieht man viele junge Pferde unsicher und gestresst. Das kann man an übermäßigem Schwitzen am Hals, an Verspannungen, am fehlenden Abschnauben oder am unruhigen Schweif erkennen. Viele Pferde werden widersetzlich, wenn Anforderungen zu hoch sind. Bei einem Anzeichen von mentaler Überforderung sollte der Reiter seine Anforderungen reduzieren und zurückkehren zu den Grundlagen und das so lange, bis sich das Pferd wieder ehrlich loslässt und das über die gesamte Zeit des jeweiligen Reitens.

 

Die körperliche Reife

Dann muss das Pferd für korrekte Aufrichtung und damit verbundene Versammlung Kraft und Muskeln aufbauen und das dauert mehrere Jahre. Da das Pferd erst mit Vollendung des fünften Lebensjahres körperlich so weit entwickelt ist, dass auch der Bereich des Kreuzdarmbeins verknöchert ist, sollte man versammelnde Lektionen vorher nicht über einen längeren Zeitraum reiten. Zu hohe Anforderungen, zu viel und zu früh in Aufrichtung geritten, führen neben Verspannungen schnell auch zu körperlichen Schäden. Versammlung und Aufrichtung müssen vorsichtig entwickelt werden und das nur über kurze Reprisen, wenn das Pferd bereit ist.

Das gleiche gilt für Trabverstärkungen wie Mitteltrab und Starker Trab. Sie gehören zu den höheren Lektionen und man sollte sie in den ersten Ausbildungsjahren wenn überhaupt nur über kurze Strecken reiten. Im ersten Ausbildungsjahr überhaupt nicht. Je nach Entwicklungsstand sind 40 oder 60 Meter für ein junges Pferd zu viel.

Beim Tritte oder Sprünge verlängern ist es sinnvoll, die ersten Monate leicht zu traben und beim Galoppsprünge verlängern im entlastenden Sitz zu reiten. Aussitzen oder tief einsitzen sollte man diese Lektionen erst, wenn das Pferd den Rücken hergibt und sich ehrlich losgelassen ist. Das erkennt man daran, dass man von dem entwickelten Schwung tief in den Sattel hinein gezogen wird. Muss man sich hingegen mit den Oberschenkeln festklemmen und mit dem Oberkörper nach hinten lehnen, um aussitzen zu können, dann ist der Rücken nicht hergegeben, das Pferd nicht losgelassen.

 

Von der Rippengeschmeidigkeit zur Rippenbiegung

Junge Pferde können weder eine enge Volte gehen noch ab einem gewissen Grad noch Zirkel verkleinern. Sie weichen dabei aus. Zwangsläufig. Die Rippenpartie muss durch häufige Handwechsel, große gebogenen Linien wie Schlangenlinien durch die ganze Bahn, aus dem Zirkel wechseln, durch das Reiten der großen Acht und häufige Handwechsel erst eine grundlegende Geschmeidigkeit erlangen. Danach kann man die Volten langsam von zehn auf acht und nach Jahren auf sechs Meter verkleinern. Mit der Zeit wird man die große Acht zu Beginn der Lösungsphase reiten und die kleine Acht in der Arbeitsphase. Erst beim weiter gerittenen Pferd kann man die Rippenbiegung verbessern.

 

Die Kraft in der Hinterhand und die Hankenbeugung verbessern

Das funktioniert beispielsweise mit Trab-Halten-Rückwärtsrichten und daraus wieder antraben. Denn neben der Verbesserung der Hankenbeugung fördert das auch die Schwungentwicklung. Halten aus dem Trab und Rückwärtsrichten sind jedoch keine Lektionen, die schon im ersten Ausbildungsjahr geritten werden sollten. Da Rückwärtsrichten ist eine versammelnde Lektion ist, würde das junge Pferd nur ausweichen oder die Hinterhandgelenke steifen. Dadurch erlernt es schnell ein fehlerhaftes Rückwärtsrichten, was in der weiteren Ausbildung dann schwieriger zu korrigieren ist.

Daneben eignet sich auch Kurzkehrt. Mit Kurzkehrt kann man das Hinterbein heranschließen und die Lastaufnahme verbessern. Beginnen sollte man mit dieser Lektion nicht zu früh in der Ausbildung und am Anfang sollte man sie auch sehr groß anlegen. Zu früh eine zu enge Wendung geritten verleitet das Pferd zum Ausweichen. Auch dieser Fehler lässt sich dann schwer beseitigen.

Das junge Pferd ist verspannt, was der unruhige Schweif zeigt. Die Hinterhand ist nicht herangeschlossen. Sie ist nicht gesenkt. Die Nase ist etwas hinter der Senkrechten,  was die Lastaufnahme der Hinterhand zusätzlich erschwert. Das Pferd ist noch nicht reif für Kehrtwendungen auf der Hinterhand.

 

Die korrekte relative Aufrichtung und die Versammlung kommen,

wenn das Pferd die Kraft und Elastizität sowie die innerliche Ruhe, Gelassenheit und das Vertrauen zu seinem Reiter entwickelt hat von selbst. Dann nämlich entstehen Kadenz und Ausdruck spielerisch, ohne Druck und Zwang bei tätiger Hinterhand und gesenkter Kruppe. Das sieht man dann auch am Auge… denn das Auge ist der Spiegel der Seele…..

Richtig gut Traben?!

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Guter Trab? Sicherlich nicht. Exaltiert / verspannt? Mit Sicherheit. Das Nase hinter der Senkrechten, das Pferd im Rücken fest, die Hand des Reiters wirkt rückwärts. Das rechte Hinterbein tritt nicht durch. Darüber hinaus ist die Trense zu eng verschnallt …

 

Heute ist ein gutes Pferd ein Pferd, das gut Traben kann. Man versteht ferner unter gutem Trab – der scheinbar wichtiger ist, als Schritt und Galopp – das weit nach vorne ausgreifende Vorderbein. Und das Hinterbein? Das kommt später. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Takt ist in vielen vielen Fällen nicht mehr sicher geregelt. Die Hinterbeine treten nicht mehr ausreichend unter den Schwerpunkt. Die heutigen Trabverstärkungen gelten als gut, wenn sie spektakulär sind. Es scheint sekundär, dass sich die Pferde dabei verkrampfen, anstatt sich loszulassen, so dass sie dabei im Rücken so fest sind, dass man die Bewegung nicht mehr sitzen kann, als dass man bei hergegebenem Rücken mitschwingen könnte. Die Sättel mit dem tiefen Sitz und den dicken Pauschen machen es möglich! Festklemmen ist die Devise! Was will man auch sonst tun, wenn man den harten Wurf anders nicht mehr ausgleichen kann. Es ist immer ein Gradwanderung: Den Turniererfolg (zu einem großen Teil) durch spektakulären Trab, den die Richter nach wie vor hoch bewerten oder das korrekt gerittene und losgelassene Pferd?

Ein losgelassenes Pferd ist niemals so spektakulär wie ein verspanntes. Das weit nach oben ausgreifende Vorderbein ist nur über (extreme) Spannung möglich und diese ist für das Pferd nicht gesund!

 

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Früher nannte man das Schwimmtrab. Verspanntes Ausgreifen mit dem Vorderbein bei festgehaltenem Rücken und wenig aktiv abfußenden und wenig vortretenden Hinterbein, was dann auch noch zeitverzögert abfußt. Wie hoch mag allein die Belastung für den Fesselträger sein?

 

„Sowie man die Pirouette nicht mit der Pirouette, sondern nur über den gut durchgesprungenen und korrekt versammelten Galopp verbessern kann, so verbessert man den Mitteltrab nicht über pausenlose Diagonalen im Stechtrab!“, so sagte Bimbo (Siegfried Peilicke) immer im Unterricht….

Der Trab wird also nicht durch pausenlose Trabverstärkungen besser. Er wird über den korrekt durchgesprungenen Galopp, über den fleißigen und geregelten Schritt und über Lektionen und Übungen besser, die Rippengeschmeidigkeit verbessern und zur Losgelassenheit führen. Den ausdrucksvollen und schwungvollen Trab, der dann aus der aktiven Hinterhand über den schwingenden Rücken bis ins Pferdemaul geht, den kriegt man quasi geschenkt!

 

Nur wie macht man das?

Als allererstes muss sich das Pferd loslassen! Das kann man natürlich mit dem Allround-Problemlöser Zügel aus der Hand kauen lassen erreichen! Darüber hinaus geht es um Kraftaufbau (der ermöglicht den Schub aus der Hinterhand) und um Muskelentwicklung und das erreicht man über Übungen und Lektionen, die Hankenbiegung und Schwungentwicklung verbessern und zu mehr Geschmeidigkeit in der Rippenpartie führen. Das erreicht unter anderem auch mit kleineren Sprüngen, die man aus Trab und Galopp – auch als Dressurreiter – immer wieder in sein Training integrieren sollte. Dabei geht es nicht um die Höhe des Sprungs, sondern darum, dass das Pferd den Rücken wölbt und das kann es auch schon mit ein paar Ästen, die auf einem Weg liegen. Auch mit Bodenrick- oder Cavaletti-Arbeit. Sie sind eine sehr gute Möglichkeit, den Rücken zu lockern, die Hinterbeine zu mehr Aktivität und zu aktiverem Abfußen zu veranlassen.

„Bodenricks können als Ersatz für Unebenheiten des Geländes betrachtet werden. Neben der Erzielung der Losgelassenheit liegt die besondere Bedeutung für die Trabarbeit darin, dass der Takt verfeinert und durch allmähliches Vergrößern der Abstände der Bodenricks der Raumgriff der Trabtritte vergrößert wird.“ (Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1, 1954)

 

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Den Rücken lockern kann man auch mit ein paar dünnen Baumstämmen als Sprung. Das verbessert die Gleichgewichtsfindung des Pferdes und macht das Training abwechslungsreicher.

 

So wird der Trab gut!

Den Trab verbessern kann man, indem man regelmäßig ins Gelände geht und dort Übungen und Lektionen reitet und indem man zwischendurch immer wieder mal richtig „durch den Busch knattert“ – und zwar im Galopp im leichten Sitz!

Wenn man selbst vielleicht kein versierter Springreiter ist, das Pferd nicht routiniert, sollte man zunächst mit einer Stange oder einem Cavaletti beginnen und das dann langsam bis zu drei bis höchstens vier Stangen steigern. Das Pferd lernt mit der langsamen Steigerung der Anzahl an Stangen auch, sich sicher im Gleichgewicht zu bewegen. Vor allem für die Remonte ist das gar nicht so einfach.

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Der Reiter sitzt entlastend in der Bewegung. Der Hengst fußt aktiv ab, die Nase sollte an die Senkrechte.

Man liest immer wieder von Ausbildern, die in ihr Training bis zu 16 Stangen hintereinander reiten lassen. Diese dann auch noch unterschiedlich hoch. Damit erreicht man eigentlich nichts – außer Verspannungen vielleicht. Stangenarbeit kostet Kraft. Wenn dann nach der Hälfte der Stangen die Kraft des Pferdes versagt, wird es sich verkrampfen müssen, um sich noch irgendwie über die restlichen Stangen hinweg zu retten.

 

Das wichtigste bei der Arbeit mit Bodenricks wie auch beim Springen ist das Anreiten. Ein gleichmäßiges ruhiges Tempo und korrekte Anlehnung, die Nase an der Senkrechten, die Dehnung des Halses zugelassen sind Voraussetzungen, dass sich das Pferd loslassen kann. Der Reiter sollte die Stangen immer zuerst im Leichttraben reiten. Wenn sich das Pferd loslässt, den Rücken hergibt, man zum Sitzen und zum Treiben kommt, kann man beim älteren Pferd, das ausreichend gefestigt ist auch phasenweise zum Aussitzen übergehen. Zufriedenes Abschnauben, der ruhige Schweif und der schwingende Rücken sind Hinweise darauf.

 

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Die Nase muss vorgelassen werden. Nur so kann sich das Pferd loslassen.

 

Bodenricks kann man auf geraden Linien oder auch auf dem Zirkel aufbauen. Da die Stangen auf dem Zirkel innen dichter liegen als außen, kann man sie beim versammelten Trab genauso einbinden, wie beim Tritte verlängern, ohne die Abstände verändern zu müssen. Der Vorteil beim Traben über Stangen auf gebogenen Linien besteht darin, dass das innere Hinterbein vermehrt Last aufnehmen muss, das Knie mehr gewinkelt wird und das Pferd mit dem äußeren Hinterbein mehr Abstoßen muss, um den Körper nach Vorne zu schieben. Darüber hinaus geht eine gleichmäßige Biegung durch das Pferd, wenn die Zirkellinie beim Überreiten der Stangen erhalten bleibt. Es wird also auch die Rippengeschmeidigkeit verbessert.

Damit die Cavaletti-Arbeit abwechslungsreich bleibt kann man:

  • Auf dem Zirkel über die Stangen traben, danach angaloppieren. Nach einer ½ – ¾ Runde durchparieren erneut über die Stangen traben.
  • Die Cavalettis auf die Mittellinie legen und durch die Länge der Bahn wechseln. Im versammelten Trab überreiten und danach im versammelten Tempo geradeaus in Richtung Bahnpunkt angaloppieren. Danach lange Seite Mittelgalopp. Kurze Seite versammelter Galopp, abwenden auf die Mittellinie. 2-3 Pferdelängen vor Erreichen der Stangen zum versammelten Trab durchparieren und erneut über die Stangen traben. Die Abstände sollten für das jeweilige Pferd exakt passen.
  • Im Trab über die auf der Mittellinie liegenden Stangen traben und an der folgenden langen Seite Mitteltrab reiten.

 

Eine sehr gute Möglichkeit, den Trab spielerisch zu verbessern bietet die Arbeit im Gelände. Lange Wald- oder Wiesenwege eignen sich dazu ideal. Leichte Steigungen kann man – auch einmal im leichten Sitz – mit aktivem Hinterbein und Zügel aus der Hand kauen lassen in fleißigem Trab bergauf reiten.

Trab verbessert man nur, wenn sich das Pferd loslassen kann. Dann ist er vielleicht nicht so spektakulär, wie man es in vielen Turnierprüfungen beobachten kann, aber er kommt aus dem ehrlich hergegebenen Rücken. Dann kommt der Reiter bei dem schwingenden Rücken zum Sitzen und zum Treiben. Dann ist der Trab gut – nur dann!

 

 

Aufmacherfoto: Katja Stuppia, Schweiz

Richtig Schritt reiten

„Schritt muss man reiten!“ Paul Stecken

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Sicherlich kann und sollte man zwischendurch immer wieder einmal die „Zügel lang lassen“, aber Schritt reiten im ausbildungstechnischen Sinne kann man darüber nicht!

 

Schritt zu reiten, Schritt immer wieder zu erreiten, ist gar nicht so einfach. Wenn man Reiter beim Schritt reiten beobachtet, dann ratschen sie mit den Mitreitenden, rauchen eine Zigarette nach der nächsten, telefonieren, verschicken Whats Apps. Die Pferde trotten auseinander gefallen vor sich hin. Mit Schritt-Reiten im ausbildungstechnischen Sinne hat das nichts zu tun.

Anlässlich eines Vortrages präsentierte der Redner seine letzte internationale Kür mit den Worten: „Die Prüfung war gut, aber der Schritt ist nicht die Stärke meiner Pferde. “ Der Schritt des Pferdes auf dem Video war eilig, gebunden, passartig. Heute ein ganz alltägliches Bild – nicht nur im internationalen Sport. Wenn man eben diesen Reiter beim täglichen Training mit seinen Pferden beobachtet, dann zeigen alle seine Pferde das gleiche Verhalten und er verfährt er immer nach derselben Methode: Er lässt seine Pferde über 10-15 Minuten mit Zügel auf dem Hals dahin latschen. Er telefoniert – immer. Dann werden die Zügel aufgenommen, im Allgemeinen viel zu kurz, er rudert mit dem Oberkörper vor und zurück, schiebt mit Becken und Unterschenkeln, die Ellenbogen schwingen aufwendig hin und her. Das Pferd rennt eilig in kurzen Tritten passartig durch die Bahn. Dann trabt er irgendwann genervt an.

So wird das mit einem korrekten, raumgreifenden, fleißigen und geregelten Schritt nichts.

Es zeigt sich fast überall das gleiche Bild. Solange Reiter ihre Zügel nicht aufgenommen haben, gehen die Pferde meist noch taktrein, jedoch kommt der Schub nicht aus der Hinterhand. Die Pferde ziehen aus der Vorhand. Nehmen die Reiter die Zügel auf, treten die Pferde hinten meist mit einem Bein kürzer, die korrekte diagonale Fußfolge ist nicht mehr klar zu erkennen. Die Phasen im Schritt verschieben sich. Der Schritt ist passartig oder zumindest gebunden.

 

Woher kommt das?

Wenn man ein Pferd am Zügel anführt oder die junge Remonte – noch nicht im Gleichgewicht – die ersten Male unter dem Sattel betrachtet, dann schieben sie beim Anführen / Anreiten (aus dem Halten) im Schritt noch nicht aus der Hinterhand, sondern ziehen aus der Vorhand. Die Hinterhand ist noch nicht herangeschlossen. Sie vollführen eher eine in die Länge gezogene Bewegung zuerst mit dem Vorderbein und dann folgt in kurzer zeitlicher Verzögerung das diagonale Hinterbein. Die Pferde bewegen bei einem solchen Schritt auf der Vorhand, nehmen das Gebiss nicht an, drücken in die Hand oder heben sich heraus.

Einen solchen – nicht mehr taktreinen – Bewegungsablauf findet man auch bei weiter ausgebildeten Pferden, die (im Schritt) nicht korrekt geritten werden.

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Der viel zu kurze Zügel – und dann auch noch der Zügel als Ausbinder – an der Longe blockiert den Bewegungsablauf des Pferdes. Der Schritt ist nicht taktrein. Das Pferd geht deutlich auf der Vorhand. Eine solche Vorgehensweise schadet dem Pferd.

 

Korrekt geritten, beginnt das Pferd, die antreibende Hilfe des Reiters fühlend zuerst mit dem Hinterfuß. Es beantwortet die Hilfe quasi in der Form, dass es die Hinterhand zusammenschiebt und mit einem Hinterbein abstößt. Dabei hebt es gleichzeitig das diagonale Vorderbein, das während das Hinterbein noch die abstoßende Bewegung macht, schon nach vorne ausgreift. Bei einem solchen Schritt nimmt das Pferd das Gebiss auch an.

 

Beim Schritt reiten werden meist die folgenden grundlegenden Fehler gemacht:

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  • Der Zügel ist zu kurz. Ein zu kurzer Zügel geht immer zu Lasten des Raumgriffs. Die Schritte werden kurz, es entsteht eine passartige Fußfolge, der Schub aus der Hinterhand ist blockiert. Das Pferd kommt auf die Vorhand. Fehlerhafte oder falsch verstandene Versammlung zeigt das gleiche Ergebnis.
  • Der Reiter versucht das Pferd im Schritt zu schieben. Dabei wird meist mit dem Becken eine aufwendige Schiebebewegung gemacht und mit den Ellbogen hin und her gerudert, was das Pferd eigentlich nur stört. Das Pferd kann das Gebiss nicht annehmen. Man sieht es sehr häufig, dass so gerittene Pferde immer wieder anzackeln, da sie sich verspannen.
  • Die Aussage: Der Reiter soll aus dem Ellenbogen elastisch vorgeben, wird fehlerhaft mit einem mehr oder weniger starken Rudern übersetzt. Dieses Verhalten des Reiters behindert das Pferd so sehr, dass es nicht an die Hand herantreten kann. Das Pferd ist verspannt.
  • Der Reiter strecken die Arme fast gerade nach vorne, anstatt den Zügel im Schritt länger zu lassen. Dadurch ist er im gesamten Oberkörper verspannt. Diese Verspannung überträgt sich auf das Pferd und es kommt nicht zum Schreiten. Meist bewegen sich die Pferde auch hier in passartiger Fußfolge.
  • Die Reiter haben die Hände zu hoch. Durch die zu hohe Hand kommt die Nase im Allgemeinen hinter die Senkrechte. Es entsteht ein falscher Knick. Das Pferd nimmt das Gebiss nicht an. Der Schub aus der Hinterhand ist nicht mehr sichergestellt. Das Pferd ist verspannt.
  • Die Pferde latschen die Zügel auf dem Hals liegend ohne Genickkontrolle auseinandergefallen auf der Vorhand. Die Zügel werden nur aufgenommen, wenn angetrabt werden soll. Der Schritt erfolgt nicht von hinten nach vorne durch den Körper. Die Pferde ziehen über die Vorhand. Auch sie können das Gebiss nicht annehmen. Die Pferde sind verspannt.
  • Die Reiter treiben in übertriebenem Maße klopfend mit dem Sporen bohrend bei jedem Schritt. Die Pferde werden stumpf, manche am Schenkel widersetzlich oder beginnen zu klemmen. Die Pferde sind verspannt.

 

Das Bild zeigt deutlich, dass das Pferd im Schritt nicht aus der Hinterhand schiebt. Das Hinterbein fußt verspätet ab. Es kommt deutlich auf die Vorhand. Die Reiterin streckt die Arme gerade aus nach vorne.

 

Wie kann man diese Fehler beseitigen?

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Im leichten Sitz immer wieder frisch vorwärts zu galoppieren, macht den Rücken locker und Verspannungen lösen sich. Das wirkt sich dann mit dem richtigen Zügelmaß auch auf den Schritt aus!

 

Da Taktfehler und wenig Raumgriff im Schritt immer auf Verspannungen zurückzuführen sind, muss man diese erst einmal beseitigen. Die Arbeit im Gelände ist dafür nahezu perfekt! Wie in allen „reiterlichen Lebenslagen“ schafft das Zügel aus der Hand kauen lassen in Schritt, Trab und Galopp die entsprechende Spannungsfreiheit. Auch kann und sollte man im leichten Sitz frisch vorwärts galoppieren, mal bergauf und bei leichten Senken bergab. Wegkreuzungen kann man verwenden, um sie mit korrekter Stellung und Biegung zu durchreiten.

Daneben schaffen Tempounterschiede, gebogenen Linien und Übergänge die notwendige Losgelassenheit, um daraus den Schritt wieder zu verbessern.

 

Im Schritt den Schritt verbessern:

  • Im Gelände häufige Wechsel zwischen Reiten am langen Zügel und Reiten mit hingegebenen Zügel mit Genickkontrolle. Dabei das Pferd gefühlvoll treiben ohne zu klopfen, zu schieben und ohne zu rudern.
  • Der Bewegung aus dem Ellbogen zwar folgen, jedoch so dosiert, dass die konstante Anlehnung erhalten bleibt.
  • Wenn sich das Pferd heraus hebt, gegen die Hand drückt. Die Hand stehen lassen, das Pferd an die Hand heran treiben bis es das Gebiss wieder annimmt und dann selbst nachgeben. Man ist dazu verleitet, wenn sich das Pferd heraus hebt, entweder die Hände in den Bauch zu ziehen oder die Zügel zu verkürzen. Beides ist falsch. Damit wirkt die Hand rückwärts und das Pferd beugt sich dem harten Druck auf das Maul. Es nimmt das Gebiss allerdings nicht an.
  • Die Halben Paraden alle zwei bis drei Schritte nicht vergessen.
  • Die kleine Acht reiten und dabei Zügel aus der Hand kauen lassen.
  • Daneben verbessern natürlich alle Lektionen und Übungen den Schritt, die auch die Geschmeidigkeit in den Rippen verbessern. Dazu gehören große gebogenen Linien, häufige Handwechsel sowie die Seitengänge.

Einen „schlechter“ gewordenen Schritt zu korrigieren, geht nicht auf die Schnelle. Es verlangt Geduld und sehr viel Konsequenz. Man muss sich „zwingen“, den Zügel nicht permanent kürzer zu fassen, wenn das Pferd sich heraushebt. Die Hand darf nicht rückwärts wirken, wenn das Pferd dagegen drückt. Die halben Paraden, der gefühlvoll einwirkende Schenkel müssen das Pferd immer wieder an die aushaltende Hand herantreiben. Wenn das Pferd dann nachgibt, sich fallen lässt, dann muss der Reiter sofort ebenfalls nachgeben, so dass das Pferd auch im Schritt das Gebiss annehmen kann. Nimmt das Pferd das Gebiss im Schritt an, dann wird es das auch in Trab und Galopp tun, aber man muss es immer wieder erarbeiten.

 

 

 

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