Mit seinem Pferd klettern gehen

Klettern ist wichtig, hält gesund, baut Muskeln auf und schafft Losgelassenheit.

 

Gerade wenn man in einer Gegend mit Bergen/Hügeln lebt, bietet es sich an! Überall Erhöhungen und Täler. Die ideale Möglichkeit, mit seinem Pferd einen Teil des Reitens zum Muskelaufbau ins Gelände zu verlegen.

Klettern ist angesagt!

Egal, wo man hinhört: alle Welt spricht vom Muskelaufbau in der Hinterhand! Und was ist mit der Vorhand? Obwohl das Pferd einen Großteil seines Gewichtes damit tragen muss, wird über den Muskelaufbau der Vorhand leider viel zu wenig gesprochen und denkt kaum einer darüber nach, wie man das in sein Reiten einbinden kann. Dabei ist er unverzichtbar, wenn man sein Pferd gesund erhalten will….

 

Vor- und Hinterhand

Die Hauptaufgaben der Vorhand liegen im Auffangen, Ausfedern, Ausbalancieren und Stützen des Körpers im Lauf und ganz besonders auch beim Landen nach dem Sprung oder beispielsweise auch beim Reiten bergauf und bergab im hügeligen Gelände. Dafür ist sie auch ausgerichtet.

Das heißt, das Pferd braucht eine an sich stabile Vorhand, damit es bei seiner Aufgabe Reitpferd gesund bleiben kann. Bei der Landung nach einem Sprung beispielsweise werden die Vorderbeine je nach Höhe des Hindernisses mit vielen 100kg je Vorderbein belastet.

Eine solche Dauerbelastung kann das Pferd nur über eine gute Muskulatur abfangen, wenn das Springen nicht zu frühzeitigem Verschleiß führen soll. Ist die Muskulatur nicht korrekt aufgebaut oder wie beim jungen Pferd noch nicht ausreichend entwickelt, dann fängt das Pferd das Gewicht zwangsläufig über die Gelenke, Bänder und Sehnen ab. Die mangelnde Muskulatur und das fehlerhafte Training sind somit logisch nachvollziehbar der Grund, warum in den Statistiken heute mehr Schäden an den Vorderbeinen als an den Hinterbeinen dokumentiert sind.

Da man sein Pferd immer als Ganzes sehen und trainieren muss, gibt es keine Übungen mit denen man nur die Vorhand stärken kann.

Die Vorhand richtig zu trainieren und für ihre Aufgaben zu stärken, kann man nur, wenn das Gesamtkonzept stimmt. Man kann jedoch sein Reiten so gestalten, dass die Vorhand bequem mit trainiert wird, ohne dass man sich über frühzeitigen Verschleiß oder ähnliches Gedanken machen muss.

„Der Gang der Vorhand entwickelt sich von selbst, wenn Rücken und Hinterhandtätigkeit sowie Halshaltung in Ordnung sind. Ist der Gang der Hinterbeine unnatürlich steif oder gestreckt, dann fällt die Körperlast vermehrt auf die Vorhand, der Gang wird stumpf, die Vorderbeine kleben am Boden und drücken nicht schwungvoll ab.“

(Udo Bürger / Otto Zietschmann „Der Reiter formt das Pferd“).

Wenn sich beispielsweise das Pferd im Rücken verspannt und da ist uns ja heute vor allem der lange Rückenmuskel ein Begriff, dann verspannt sich allerdings auch der breite Rückenmuskel der von der Lende zum Oberarm führt und damit ist der freie Vortritt des Vorderbeins beschränkt. Raumgriff adé. Der Kopf-Armmuskel, der vom Kopf über den Hals zum Oberarm geht, ist unter anderem für das Vorschwingen des Vorderbeines verantwortlich. Ist dieser aufgrund von Anlehnungsfehlern verspannt, wenn die Nase beispielsweise hinter der Senkrechten ist oder weil die Muskeln am Kopf verspannt sind, weil die Nasen- und Sperriemen zu eng verschnallt sind, der Reiter eine harte und rückwärts wirkende Hand hat oder das Pferd im Rücken fest ist, dann wird das Pferd nicht elastisch vortreten können.

Wenn man nur diese Beispiele nimmt, dann muss unser Reiten dazu geeignet sein, das Wachstum der Muskeln am Vorarm und an der Schulter zu fördern. Somit ist die Annahme, dass die Muskulatur der Hinterhand gestärkt werden muss, um die Vorhand zu entlasten wohl so nicht ganz richtig. Im Gleichgewicht und damit langfristig gesund kann man das Pferd nur dann erhalten, wenn beides gefördert wird. Der Muskelaufbau in der Vor- und in der Hinterhand!

 

An sich ist es recht einfach …

Zum einen ist es, wie in vielen Fällen der Galopp, der alle Muskeln in der richtigen Form beansprucht, wenn er denn richtig geritten wird. Hier heißt es also nicht nur versammeln, versammeln und noch mal versammeln, sondern lange Galoppstrecken im leichten Sitz bei korrekter Anlehnung. Keine kurzen Reprisen von ein bis zwei Minuten, sondern ein langer ruhiger – früher nannte man es Reisegalopp – über vier, fünf oder sechs Minuten am Stück im Gelände.

Lange Galoppstrecken im ruhigen Tempo stärken die Muskulatur der Vor- und Hinterhand.

 

Wenn man diese lange Strecken nicht zur Verfügung hat, dann hilft das Klettern. Gerade im Schritt kann man es ohne Gefahr einer Überanstrengung bergauf wie bergab reiten. Im Schritt bergauf zu klettern stärkt die Muskulatur der Vorhand und den gesamten Band-, Gelenk und Knorpelapparat. Bergab kriegen Dressurreiter noch eine verbesserte Hankenbeugung mit geliefert, denn das Pferd muss die Hinterhandgelenke je nach Neigung mehr beugen. Nebenbei lernt das Pferd noch, sich auszubalancieren.

Schon kleinere Abhänge verbessern die Hankenbeugung, wenn man sie regelmäßig in sein Training integriert.

 

Lange Schrittouren am langen Zügel mit Genickkontrolle auf unebenem Gelände stärken Vor- und Hinterhand gleichermaßen. Lockern und elastischer machen kann man die Vorhand über einfache Lektionen wie Schenkelweichen und Viereck vergrößern und verkleinern. Das kann man sogar auf fast allen Wald- und Wiesenwegen üben. Auch für Schulterherein braucht man nicht viel Platz.

 

Manchmal zeigen einfache Übungen eine große Wirkung. Viel Spaß im Busch!

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