So wichtig ist die Ecke in der Pferdeausbildung…

„Ein dafür veranlagtes Pferd im Mitteltrab ein bisschen treten zu lassen, dazu gehört nicht viel und kommt auch mehr vom lieben Gott als vom Reiter; aber eine saubere Wendung oder gar eine Volte zu reiten ist schon etwas anderes und sagt jedenfalls mehr über die Rittigkeit des Pferdes und die Fertigkeit des Reiters als ein paar – wenn auch och so imposante – verlängerte Tritte.“

(Alfred Knopfhart, „Dressur von A-S)

Die Ecke in der Pferdeausbildung

Heute geht es ja mehr um den spektakulären Mitteltrab oder eher um den Ruhm von Piaffe und Passage als um die Grundlagen. Das kann ja jeder und was ist man schon, wenn man eine Volte richtig reiten kann, die dann auch noch rund ist. Eindruck schinden kann man damit leider nicht. So sieht man sechs- und siebenjährige Pferde hektisch auf der Stelle zappeln und wenn sie dann durch eine Ecke gestellt und gebogen gehen sollen, dann heben sie sich raus, gehen gegen die Hand, sperren das Maul auf, weichen mit der Hinterhand aus, verwerfen sich im Genick und was sie aus mangelnder Elastizität sonst noch an Ausweichverhalten zeigen (müssen).

… und so reiten viele darüber hinweg und sparen sich diese lästigen Grundlagen.
Rächen wird sich das allerdings immer. Denn allein für eine korrekte Pirouette sind Volten, Ecken und alle weiteren gebogenen Linien die unverzichtbare Grundlage!

…was für ein Käse aber auch….

Die korrekt gerittene Ecke verbessert die Rippengeschmeidigkeit, da sich das Pferd stellen und biegen muss.

 

Eine korrekt durchrittene Ecke zeigt allerdings sehr viel. Sie ist die Vorbereitung für alle Wendungen vom Zirkel bis zur Pirouette. Jede Ecke ist eine Viertelvolte und muss genauso geritten werden. Dabei sind Stellung und Biegung unverzichtbar, denn sie erhalten den Takt und das Pferd im Gleichgewicht.

In der Ecke wird die äußere Hand leicht vorgegeben, um die Längsbiegung zuzulassen, der innere Zügel ist leicht verkürzt, die Hand jedoch so gefühlvoll, dass das Pferd weder Takt noch Gleichgewicht verliert. Der innere Schenkel sorgt für den Vortritt des inneren Hinterbeines und er äußere verhindert das auwsweichen des äußeren Hinterbeines.
Nach der Ecke müssen halbe Paraden vermehrt am äußeren Zügel und nachgebende Zügelhilfen innen erfolgen, um Tempo und Takt zu erhalten. Das Pferd darf nach der Ecke nicht eiliger werden. Vor, in und nach der Ecke müssen Takt und Tempo gleichbleiben.

Wenn man das so liest, dann klingt es ja recht einfach. In der praxis jedoch birgt die doch sehr banal erscheinende Wendung sehr viel Fehlerpotential und so kann man als Reiter einiges falsch machen:

  • Die innere Hand wirkt rückwärts, die innere Hand gibt nicht nach. Die äußere lässt die Stellung in der Ecke nicht zu.
  • Die Halben Paraden erfolgen nicht oder nicht korrekt, nicht in der passenden Dosierung
  • Der Reiter lehnt sich zu weit nach hinten, fällt nach vorne, sitzt schief – meist nach außen herunter und knickt in der Hüfte ein.
  • Der Reiter hat die innere Schulter nach vorne, die äußere nach hinten gedreht,
  • er fällt mit der inneren Hüfte nach hinten.
  • Der Reiter hat die Handgelenke verdreht,
  • zieht die innere Hand über den Kamm nach außen.
  • Der innere Schenkel ist zu weit hinten. Der äußere Schenkel liegt nicht am Pferd ist weg gestreckt oder zu weit vorn fast an der Schulter.
  • Das Zusammenwirken von treibenden und verhaltenden Hilfen funktioniert nicht.
  • Der Reiter gibt nicht nach oder im falschen Moment.
  • Die äußere Hand lässt die Stellung nicht zu.

 

Alle diese Fehler können einzeln oder auch zusammen zu Problemen führen, die es dem Pferd unmöglich machen, eine Ecke korrekt zu durchlaufen.

 

 

Fehler, Ursachen und Korrektur

 

Problem 1)
Der reine Takt geht verloren/das Pferd wird eilig.

Eine unverspannte Muskeltätigkeit ist notwendig, damit das Pferd im Galopp weit unter den Schwerpunkt springen kann, statt im Kreuzgalopp zu gehen oder auszufallen.

 

Ursachen:
Zu viel Handeinwirkung und zu wenig treibender Schenkel. Das Pferd ist verspannt und hat Rückenprobleme. Das Pferd ist auch auf der gerade Linie nicht taktrein, geht zu Beginn des Reitens hölzern. Taktfehler (vorübergehender Verlust des reinen Ganges) und in der Folge Gangfehler (das Pferd bewegt sich immer taktunrein) sind ein Hinweis darauf, das die Ausbildung eines Pferdes komplett in die falsche Richtung geht. Das Pferd verspannt ist, kann sich nicht loslassen. Das Pferd hat Rückenprobleme.

Korrektur:
In einem solchen Fall heißt es zurück zu den Grundlagen und zwar in allen Bereichen. Sattel- und Zaumzeug prüfen. Die Anforderungen und das Vorgehen in der Ausbildung überprüfen und durch Zügel aus der Hand kauen lassen in  allen drei Grundgangarten den reinen Gang wieder herstellen.
Viel ins Gelände reiten und da in Trab und Galopp schwungvoll vorwärts reiten bis das Pferd das Gebiss wieder annimmt, mit dem Hinterbein durchtritt und den Rücken hergibt. Danach wieder kontinuierlich am Geschmeidigmachen der Rippenpartien arbeiten.

 

Problem 2)
Das Pferd geht nicht in die Ecke hinein, sondern drängt nach innen weg

Ursachen:
Mangelnde Geschmeigkeit in der Rippenpartie. Nachlässigkeit des Reiters.

Korrektur:
Um eine Ecke richtig reiten zu können, muss das Pferd korrekt gestellt und gebogen sein, also eine korrekte Längsbiegung zeigen. Das junge Pferd muss das erst lernen und die Rippengeschmeidigkeit verbessern. Aus diesem Grund sollte man die Ecke nur so tief ausreiten, wie sich das Pferd in der Rippe auch biegen kann. Es kann sinnvoll sein, die Ecke dann etwas abzurunden.
Die kleine und die große Acht helfen, die Geschmeidigkeit in der Rippe zu verbessern. Bei jedem Handwechsel ist auf korrekte Stellung zu achten. In jeder Gangart sollte die Acht in einem ruhigen Tempo geritten werden. Wird das FPerd eilig, helfen Halbe Paraden alle zwei bis drei Schritte, Tritte oder Sprünge, das Tempo zu kontrollieren.

Wenn ein Pferd in der Ecke mit der Hinterhand nach innen oder nach außen ausweicht, kann man beim weiter gerittenen Pferd vor und nach der Ecke Schulterherein reiten und in der Ecke schultervorartig reiten. Darüber wird das innere Hinterbein veranlasst, unter den Schwerpunkt zu treten. Das äußere Hinterbein muss der äußere Schenkel begrenzen und im Vortritt unterstützen. Die halben Paraden sorgen für das gleichbleibende Tempo.

 

Problem 3)
Das Pferd lässt sich in der Ecke nicht korrekt stellen.

Ursachen und Korrektur: Siehe Problem 2)

 

Problem 4)
Beim Galoppieren fällt das Pferd in der Ecke aus oder springt in den Kreuzgalopp um.

Ursachen:
Wenn ein Pferd beim Galoppieren ausfällt oder in den Kreuzgalopp umspringt, fehlt im a) die notwendige Kraft in der Hinterhand und / oder es hat b) Rückenprobleme.

Korrektur:
In einem solchen Fall sind die Ecken wieder abzurunden wie bei der jungen Remonte und das Pferd erst wieder zur Losgelassenheit zu bringen. An weiterführende Lektionen ist einem solchen Stadium nicht zu denken.

 

Problem 5)
Die Nase kommt hinter die Senkrechte

Ursachen:
Die Nase hinter der Senkrechten kann entweder an der rückwärtswirkenden Hand des Reiters liegen, an den fehlenden Halben Paraden oder aber auch daran, dass der innere Schenkel das innere Hinterbein nicht zu aktivem Abfußen animiert.

Korrektur:
Die Ecke in einem fleißigen, jedoch nicht eiligen Tempo durchreiten, Sitz und Einwirkung überprüfen und konsequent auf Stellung und Biegung achten. Es kann auch helfen, nach der Ecke ein bis zwei lange Seiten Tritte verlängern oder zügel aus der Hand kauen auf dem Zirkel zu reiten.

 

 

Eine Ecke richtig reiten zu können, ist die Basis für Volten und diese schlussendlich unter anderem die Grundlage für viele versammelnde Lektionen. Beim Reiten und Ausbilden baut eines auf das andere auf. Bei der Grundausbildung über Probleme hinweg zu reiten und wenn es nur die Ecke ist, heißt, dass es bei weiterführenden Lektionen einfach nicht mehr weiter geht. Alleine schon, weil das Pferd nicht ausreichend geschmeidig ist.

 

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