Tag:Muskelaufbau

Versammlung – wann und zu welchem Zeitpunkt

Es ist nicht immer einfach einzuschätzen, wann es Zeit ist, mit ersten versammelnden Lektionen zu beginnen. Da die Pferde von heute aufgrund ihres guten Charakters und der großen Veränderungen in der Zucht in den letzten 30 Jahren mit sehr viel Qualität ausgestattet sind und immer leistungsbereit zu sein scheinen, ist man leicht dazu verleitet, zu früh, zu schnell und zu viel an der Versammlung zu arbeiten. Das allerdings geht immer zu Lasten des Raumgriffes, des schwungvollen Bewegungsablaufes, der Losgelassenheit und langfristig natürlich auch zu Lasten der Gesundheit.

Neben allen Übungen und Lektionen, die die Rippengeschmeidigkeit und im Zuge der weiteren Ausbildung, die Rippenbiegung verbessern, braucht man versammelnde Lektionen genauso wie Verstärkungen, um ein Pferd langfristig gesund zu erhalten.

Zu viel oder auch falsch verstandene Versammlung führt zu Verspannungen. Sind die Verspannungen zu groß, geht der Bewegungsimpuls, der aus der Hinterhand kommt und über den Rücken nach vorne bis in das Maul geleitet wird, „unterwegs verloren“. Die Schubkraft aus der Hinterhand kann nicht mehr in Tragkraft umgewandelt werden. Das Pferd ist im Rücken spürbar fest. Hinterhand-, Rücken-, Bauch- und Halsmuskeln verspannen sich. Korrekt versammeln kann man es nicht mehr!  

Fehlerhafte Versammlung führt immer zu einer Versteifung der Gelenke und damit zu einer Überbelastung der betroffenen Körperpartien.

Schon junge Remonten sehen heute weit entwickelt aus. So fällt man schnell das Fehlurteil, schon recht früh mit der versammelnden oder auch setzenden Arbeit beginnen zu können. Um versammelnde Lektionen richtig reiten zu können müssen Rücken-, Hinterhand-, Bauch- und Halsmuskulatur erst so gestärkt sein, dass das Pferd überhaupt Last aufnehmen und sich selbst tragen kann. 

Das geht nicht – wie manch einer glauben mag – innerhalb eines Jahres. Das geht auch nicht bei einem jungen Pferd. Es dauert Jahre.

Elastizität und Geschmeidigkeit von Muskeln und Gelenken müssen erst durch eine gute Aufbauarbeit entwickelt werden, sonst führt diese falsch verstandene Versammlung nur zu Verkrampfung und über die teilweise schmerzhafte Überlastung zu kompensierenden Bewegungsabläufen, irgendwann zu irreparablen Schädigungen.

„Mit der Forderung, dass das in der Ausbildung fortschreitende Pferd immer schöner werden soll, verbinden wir den Grundsatz, dass auch das S-Pferd auf Verlangen in jedem Moment die Losgelassenheit und die Haltung der jungen Remonte wieder einnehmen können muss. Nur dieser Standpunkt bewahrt den Reiter davor, die höchste Versammlung in Krampf ausarten zu lassen.“

Felix Bürkner

 

Versammlung ist ein Prozess

Versammlung muss sich aus dem Schwung entwickeln. Sprich aus der Umwandlung der Schubkraft in Tragkraft. Dass Versammlung erst im Zuge der weiterführenden Ausbildung entstehen kann, ist also eine logische Sache, denn dazu braucht das Pferd entsprechend Kraft. Diese Kraft entwickelt sich bei korrekt aufgebauter Ausbildung über Jahre aus dem entwickelten Schwung, aus der Fähigkeit, die Hinterhandgelenke vermehrt zu beugen, um daraus den Körperschwerpunkt mit Reiter nach hinten zu verlagern. Das kann ein Pferd nur erreichen, das sich im Gleichgewicht befindet, ausbalanciert ist. Die Fähigkeit, sich auszubalancieren, entsteht aus dem Geraderichten, durch Verstärkungen und versammelnden Lektionen, durch Seitengänge, aus Rippenbiegenden Lektionen. Also im Zuge einer gut strukturierten und durchdachten Ausbildung wie die überlieferten Grundsätze der Ausbildung.

Beginnt ein Reiter zu einem zu frühen Zeitpunkt mit der versammelnden Arbeit, bedeutet das für das Pferd immer eine falsche Belastung. Belastungen, die zu frühzeitigem Verschleiß führen können – das in vielen Fällen auch tun. Kissing Spines, Fesselträger- und Sehnenschäden sind hier nur einige der typischen Erkrankungen.

 

Rückwärtsrichten als Beispiel

Rückwärtsrichten ist eine versammelnde Lektion. Im ersten Ausbildungsjahr sollte man beim Reiten überhaupt nicht rückwärtsrichten, da eine Remonte das nicht kann. Sie wird die Hinterhandgelenke steifen, sich verspannen, sich schief machen (müssen). 

Bei einem weiter ausgebildeten Pferd hilft das Rückwärtsrichten die Versammlungsfähigkeit zu verbessern Es geht darum, die Hinterhand heranzuschließen und zu vermehrter Lastaufnahme zu veranlassen. Alles das können junge Pferde oder auch Pferde, bei denen in der Grundausbildung elementare Fehler gemacht wurden noch nicht. Sie haben weder die Kraft, noch die Elastizität, noch die dazu notwendige Muskulatur. 

Bei versammelnden Lektionen werden die Muskeln schnell mit weniger mit Sauerstoff versorgt und weniger gut durchblutet, wenn sie sich durch Überlastung verkrampfen. Um ausreichend Sauerstoff in die Muskeln zu leiten, sollten versammelnde Lektionen nie zu lange oder mit zu vielen Wiederholungen erfolgen und immer mit „freien Gängen“, wie beispielsweise Tritte und Sprünge verlängern bis hin zu Mitteltrab und Mittelgalopp verbunden sein. Man kann sich das vorstellen wie bei einem Blasebalg: Zusammendrücken und auseinanderziehen. So funktionieren Muskeln beim Pferd. Nur so werden sie korrekt belastet, ohne fehlbelastet zu werden. Darüber wachsen sie, werden kräftiger und elastischer.

Schaut man sich heute im Sport wie auch in dem Bereich der alternativen Reitauffassungen um, scheint das jedoch nicht mehr wichtig zu sein. Schon mit dreijährigen Pferden glauben Reiter Seitengänge reiten zu können, vier- und fünfjährige Pferde werden zu weiterführenden versammelnden Lektionen veranlasst, die sie überhaupt nicht leisten können. Es wird von Piaffe und Passage gesprochen, für die es weder ausbildungstechnisch noch muskulär entsprechende Grundlagenarbeit gegeben hat, die eigentlich die Basis für so hohe Lektionen sind. Daraus entsteht ein negativer Kreislauf, bei dem schnell irreparable Schädigungen des Bewegungsapparates entstehen.   

Noch zu früh…

Sich Zeit zu lassen und immer wieder Zügel aus der Hand kauen lassen zu reiten vermeidet Verspannungen und damit Unsicherheit und Stress!
Foto: Sina Schaufelberger

Um ein Pferd zu versammeln muss es geradegerichtet sein. Um ein Pferd geradezurichten, muss es in der Rippenpartie ausreichend geschmeidig sein. Das heißt, es sollte keine deutlich schlechtere Hand haben. Ist es nicht geradegerichtet und hat es eine deutlich schlechtere Hand, wird es nicht unter den Schwerpunkt treten oder springen können. Es wird ausweichen müssen und sich verspannen. 

Beim Versuch des versammelnden Trabes beispielsweise hält sich das Pferd im Rücken fest, der Reiter kommt nicht zum Sitzen und zum Treiben, die meisten Pferde nehmen das Gebiss nicht an. Im Galopp geht der Durchsprung verloren, das Pferd macht sich schief, geht in vielen Fällen gegen die Hand. Nicht wenige Pferde verwerfen sich im Genick. Oft ist der reine Takt nicht mehr sicher geregelt, ungleiche Tritte erfolgen, das Pferd wirkt hölzern, lässt sich immer schlechter zurücknehmen oder aufnehmen. 

Fehlerhafte Versammlung geht immer mit fehlerhafter Aufrichtung und Anlehnungsproblemen einher. Meist gehen diese Pferde dann in absoluter Aufrichtung oder sie sind im Hals viel zu eng, die Nase ist hinter der Senkrechten. – das nicht selten, obwohl der Zügel fast durchhängt. 

Meist versuchen Reiter, dann mit einer entsprechend starren Hand das Pferd zu einem aufwendigen Bewegungsablauf zu zwingen. Das Ergebnis ist dann, dass die Pferde noch weniger unter den Schwerpunkt treten können, also noch weniger Last aufnehmen, auch die Schulter nicht unverspannt und elastisch heben können. 

Hat man diesen Punkt der Verspannung einmal erreicht, ist die einzige Lösung, zu den Grundlagen zurückzukehren. 

Die Grundlagen – sprich Übergänge, das Reiten von Achten, Zügel aus der Hand kauen lassen, Tritte und Sprünge verlängern – sind zu verbessern bis sich die Pferde wieder loslassen– innerlich wie äußerlich. Wenn der Rücken wieder zum Schwingen kommt, die Muskeln unverspannt arbeiten, dann kann man langsam wieder beginnen Seitengänge zu reiten. Diese sollte der Reiter mit Zügel aus der Hand kauen lassen und wiederkehrend mit ein zwei langen Seiten Mittelgalopp oder auch mal Galoppieren im leichten Sitz verbinden. Das alles so lange bis sich das Pferd in allen Lektionen wieder loslassen kann!

 

Wann ist die Zeit reif?

Man erkennt es daran, dass Zulegen und Einfangen in Trab und Galopp vom Pferd ohne Widerstand mit hergegebenem Rücken ausgeführt werden. Der Reiter zum Sitzen und zum Treiben kommt, die Pferde das Gebiss annehmen und sich davon abstoßren.

Man erkennt es auch daran, dass Lektionen wie Schulterherein ohne Takt- und Schwungverlust erfolgen. 

Das ist der Moment, dass das Pferd beginnt sich zu tragen. Die Nase kommt mit steigender Aktivität der Hinterhand und sich entwickelnder Kadenz schon fast von sich aus an die Senkrechte. Die Anlehnung ist konstant. Der Rücken schwingt. Muskeln spannen unverspannt an und ab. 

Das Pferd ist durchlässig und schnaubt immer wieder zufrieden ab. Der Schweif pendelt ruhig hin und her ohne nachhaltig zu schlagen.

Mit beginnender versammelnder Arbeit begnügt man sich bei allen Lektionen immer auf wenigen Tritte und Sprünge. Wenn sich die Hinterhandgelenke dann elastisch beugen, Hankenbeugung also geschmeidig erfolgt, kann man mit der Zeit immer ein wenig mehr verlangen. Aber immer nach dem Motto: „…mit der Zeit!“

 

Warum eigentlich?

Tritte und Sprünge verlängern, ein fleissiges Vorwärtsreiten bis das Pferd mit dem Hinterbein durchtritt ist die Basis für die spätere Versammlung!
Foto: Sina Schaufelberger

Ich denke oft darüber nach, warum Menschen sich und ihren Pferden nicht mehr die Zeit geben, die notwendig ist, um das Pferd für sich zu gewinnen und eine Partnerschaft aufzubauen, bei der man seine Wünsche den Möglichkeiten des Pferdes anpasst. Vielleicht ist es „In“ oder man gilt als guter Reiter, wenn Pferde auf der Stelle zappeln und man das dem Laien als Piaffe verkaufen kann.  

Gesund bleiben Pferde so nicht und Vertrauen schaffen kann man so auch nicht!

Früher habe ich oft gedacht: Das muss doch jetzt und warum macht das Pferd das jetzt nicht?! Heute weiß ich, ein Pferd braucht Zeit – viel Zeit und dann bleibt es auch bis in ein hohes Alter gesund, hat Spaß und Freude an seiner Bewegung, vertraut seinem Reiter und hat ein ruhiges und entspanntes Auge!

Heute bin ich glücklich, wenn Pferde unter mir zufrieden abschnauben, die Muskeln unverspannt arbeiten und sie auf kleinste Hilfen oder auf ein Einatmen und fast unsichtbare Halbe Paraden reagieren und das auch bei einem Gewicht von über 700 kg. 

Ein solches Gefühl kann keine herausgequetschte und spektakuläre Diagonale oder ein erzwungenes Piaffieren ersetzen…..

Massage – so wird’s locker

Es ist vollbracht! Das Buch ist fertig und ist hier vorab schon erhältlich bis es auf Amazon etc. geschaltet ist….

Vorwort

Wir sitzen den ganzen Tag am Rechner, haben eine stehende oder auch mit viel bücken verbundene Tätigkeit und rums sind wir verspannt. Wir gehen dann zum Physiotherapeuten, zur Massage oder erlernen die eine oder andere Technik, um sich selbst zu helfen. So können wir Verspannungen bis zu einem gewissen Punkt selbst beseitigen und fühlen uns im Anschluss wieder wohl.

Zwar sitzt ein Pferd seltener am PC oder muss sich bücken, um Unkraut zu jäten oder Büsche einzupflanzen, gleichwohl sind Verspannungen beim Pferd schnell entstanden und manchmal ist es schwierig, sie mit Reiten alleine zu beseitigen.

Wenn Pferde älter werden oder nicht mehr gesund sind, da sie vielleicht unter anderem fortgeschrittene Rückenprobleme haben, entstehen Bewegungseinschränkungen, die oft zu Verspannungen führen. Dadurch verhärten sich Muskeln. Sie sind schlechter durchblutet, weniger mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und schon wird es kompliziert mit dem Reiten und dem Erhalt des Wohlbefindens des Pferdes. Dauerhafte Verspannungen führen zu Schmerzen, ggf. Entzündungen oder zu frühzeitigem Verschleiß. Um das zu vermeiden, ruft man den Physiotherapeuten, Osteotherapeuten, Chiropraktiker oder im teuersten Fall gleich den Tierarzt.
Woher will man wissen, wie sich eine Verspannung anfühlt oder wie man eine Bewegungseinschränkung selbst sehen kann?

Das zu lernen ist leichter als man denkt. Es gibt viele gute Möglichkeiten, selbst Verspannungen in Muskeln zu lösen, so darüber Bewegungseinschränkungen zu beseitigen und auf den Therapeuten zu verzichten.

Pferde genießen Massagen und Dehnungsübungen. Wenn man es richtig macht, tut man seinem Pferd viel Gutes. Schaden kann man ihm mit den im Folgenden beschriebenen Grundlagentechniken nicht. Im Gegenteil: Die Pferde lieben es und sie zeigen uns durch ihr Verhalten, was ihnen im jeweiligen Moment gut tut, was sie brauchen oder was sie nicht wollen.

Wir haben lange überlegt, wie ein solches Buch aufgebaut werden könnte und ob es dafür überhaupt Bedarf gibt. Durch los-gelassen.com haben wir allerdings viele Menschen kennenlernen dürfen, denen wir mit der langjährigen Erfahrung und der Vermittlung von Massagetechniken, Dehnungs- und Stretchingübungen wie auch Schmerzmassage helfen konnten. Mit diesen Techniken kann man auch Pferden mit Problemen wie Kissing Spines, Arthrosen und altersbedingten Zipperlein stückweise wieder ein entspanntes Pferdeleben ermöglichen.

Neben allem Wohlbefinden wächst durch die gefühlvolle Berührung auch das Vertrauen des Pferdes zu seinem Besitzer und Reiter. Wir lernen das zu erkennen, zu erfühlen und zu sehen und die Pferde lernen, es uns zu zeigen. Es sind die schönsten Momente, wenn ich erlebe, dass mir ein Pferd vertraut und sich öffnet.

Bamboo ist ein Beispiel, das mich selbst immer wieder überrascht und berührt. Vielleicht weil gerade er aufgrund seiner wenig schönen Vergangenheit mit körperlichen und vor allem vielen seelischen Schäden umgehen muss. Die intensive Beschäftigung mit ihm und vor allem die Massage hat die Verbindung zwischen ihm und mir unwahrscheinlich gefestigt und heute vertraut er mir fast schon blind. Er verzeiht mir Fehler beim Reiten und öffnet sich jeden Tag ein bisschen mehr. Diese Erfahrungen sind unbeschreiblich schön und ich hoffe, dass ich sie mit diesem Buch vielen Menschen zugänglich machen kann.

In einzelnen Kapiteln sind Videolinks zu Youtube eingebunden. Diese Videos dienen als zusätzliche Erklärung. Da man ein Massagebuch nicht unbedingt abends am Kamin liest, sondern eher mit in den Stall nimmt und sich zur Unterstützung die Videos anschaut, haben wir uns für eine eBook-Version entschieden.

 

Wichtig!:

Wenn man sein Pferd massieren möchte, dürfen keine Entzündungen, akute Verletzungen oder Frakturen vorliegen. Dann kann eine Massage oder auch Dehnungsübungen falsch sein. Wenn man unsicher ist, ob Schmerzen von Verspannungen oder vielleicht durch Entzündungen entstanden sind, sollte man lieber seinen Tierarzt konsultieren, um es abzuklären.

Wichtig war uns, das Buch so aufzubauen, dass es aufgrund der Videos möglich ist, Massieren selbst zu erlernen und die einzelnen Griffe und Techniken anhand der Erklärungen umzusetzen. Auch haben wir zu jedem Muskel/Muskelgruppe kurz zusammengefasst, welche Aufgabe er beim Reiten und mit welchem anderen Muskel/Muskelgruppe er zusammenarbeitet.

 

Jetzt wünschen wir wie immer reichhaltige Erkenntnisse und viel Zuneigung von Ihrem Partner Pferd.

Das Video findest Du auf Youtube

 

Zur Bestellung einfach eine Mail an massage@los-gelassen.com und für 16,99 Euro erhalten.

Um die Massage für die Hände weniger belastend und das Lockern grösserer Muskelgruppen sowie das Lösen der Faszien noch effektiver zu gestalten, haben wir unseren Massageroller entwickelt. Er kann ebenfalls über massage@los-gelassen.com erworben werden.

 

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Rückenprobleme und die kalte Jahreszeit

 

 

Erste Engstände zwischen den Dornfortsätzen oder sogar schon Kissing Spines! Das trifft hart, denn man hatte alles versucht, um es richtig zu machen.

Im Sommer kommen die Pferde mit dem Befund oft noch recht gut zurecht, aber im Winter wird es vielfach eng: Die Pferde unwillig, manchmal abweisend, sie sind empfindlich im Rücken beim Putzen und beim Sattel. Oft sind sie beim Reiten steif, zu Beginn hölzern oder sogar lahm. Sie haben offensichtlich Schmerzen. Man packt Decke über Decke drauf, aber die Muskeln wollen selbst nach langem Reiten irgendwie nicht locker werden.

Liegt das am Befund?

In den meisten Fällen entwickeln sich Kissing Spines und andere Rückenprobleme des Pferdes durch fehlerhaftes Reiten und Ausbilden: mit zu viel Handeinwirkung, fehlerhafte Aufrichtung, zu eng im Hals, die Nase dauerhaft hinter der Senkrechten, zu hohem Tempo oder permanentem Untertempo, zu wenig Aktivität aus der Hinterhand, falsch verstandener oder keiner Anlehnung, zu wenig Gymnastizierung.

Decken helfen da nicht. Medikamente können das Problem auch nicht lösen, denn die Ursache beseitigen sie nicht. Ein Pferd mit Rückenproblemen muss auch im Winter nicht lahm gehen. Sind Muskeln richtig entwickelt, dann macht ihnen die Kälte nicht mehr aus als einem gesunden Pferd.

 

Fütterung und Haltung

Viel Weide und Freilauf – auch im Winter

Der Freilauf ist für ein Pferd mit Rückenproblemen oder Kissing Spines sehr wichtig. Denn je mehr Bewegung das Pferd hat, umso schneller können sich auch Verspannungen lösen. Das Pferd ist ein Bewegungstier und deshalb sollte es die Möglichkeit haben, sich tägliche viele Stunden frei zu bewegen. Ein bekannter Satz lautet: „Heute stehen sich viele Pferde kaputt“. Daran ist leider viel Wahres dran. In einer Box nimmt das Pferd vielfach eine unnatürliche Haltung ein. Das führt alleine schon durch stundenlanges Stehen zu Fehlbelastungen und bei vielen Pferden zu Verspannungen.

Die Box sollte groß, hell und gut belüftet und mit Fenster oder besser noch einem Paddock ausgestattet sein. So kann das Pferd an seiner Umwelt teilhaben und sich wenigstens etwas bewegen.

Daneben sollte 24 Stunden täglich der Zugang zu Raufutter gegeben sein. Das Kraftfutter abgestimmt auf die Bedarfe des Pferdes und das Zusatzfutter auf das reduziert, was notwendig ist. Manchmal ist weniger mehr.

Ausreichend Weidegang ist unverzichtbar für die Gesunderhaltung des Pferdes.

 

Massage hilft!

Massage hilft, Muskeln zu entspannen und zu lockern. Es kurbelt die die Durchblutung an und hilft, angeregtes Gewebe zu entspannen. Mit Massage kann man das Pferd von Kopf bis zum Schweifansatz lockern und ihm eine wirkliche Entspannung bringen. Die Pferde genießen diese wohltuende Berührung.

In unserem Buch „Massage – so wird’s locker“ findet der Leser viele interessante Tipps, Erklärvideos und Massagetechniken, die helfen, dass auch Pferde mit Rückenproblemen und anderen gesundheitlichen Einschränkungen wieder ein entspanntes Pferdeleben führen können. Das Buch kann jetzt schon über massage@los-gelassen.com zu einem Preis von € 16,99 bestellt werden.

 

Es gibt viele Gründe, sein Pferd zu massieren:

Verspannungen

Verspannungen entstehen schnell und sie können vielfältige Ursachen haben. Massage kann helfen, diese zu reduzieren oder zu beheben. Es ist jedoch immer sinnvoll, nach den Ursachen für die Verspannungen zu suchen und diese dann nach Möglichkeit zu beseitigen.

Für Verspannungen durch Stress kommen viele Gründe in Frage: Der Umzug in einen neuen Stall, einer neuer Boxennachbar, an anderer Weidekumpel, ein neuer Sattel, der erste Hufbeschlag, eine Futterumstellung. Nicht jedes Pferd zeigt seinen Stress. Durch regelmäßiges Massieren entwickelt man ein Gespür für die kleinste emotionale Belastung seines Pferdes!

  

Hufe oder Beschlag

Stellungsfehler können beim Pferd genauso zu Fehlbelastungen führen wie ein fehlerhafter Beschlag, unpassende Hufschuhe oder eine falsch ausgeschnittener Huf. Das kann zu Überlastungen des Bandapparates, zu falscher Belastung von Gelenken und Muskeln führen. Verspannungen sind dabei meist die ersten Signale, die auf weitere Probleme hinweisen.

9-jähriges Pferd mit massiven Stellungsfehlern. Hier kann der Hufschmied nur noch Schadensbegrenzung betreiben und versuchen, über eine vorsichtige Hufkorrektur, weitere Schädigungen zu vermeiden.

Bild rechts: 8-jähriges Pferd mit korrekter Hufstellung und NBS-Eisen (Eisen ohne Aufzüge).

 

Werden Stellungsfehler über Jahre nicht korrigiert, dann entstehen auch Belastungen auf andere Strukturen im Körper des Pferdes. Das können Fesselträger- oder Sehnenschäden sein oder auch eine sich fehlerhaft entwickelnde Muskulatur. Selbst Rückenprobleme können ihren Ursprung in einer fehlerhaften Hufbearbeitung haben.

Daneben ist natürlich auch der Sattel und seine Passform eine riesen Thema. Der Markt bietet heute sehr viele unterschiedliche Produkte und man steht schon allein aufgrund der Menge der Angebote nicht selten davor und weiß überhaupt nicht, wie man sich entscheiden soll…

 

Sattel und Zaumzeug

Der Sattel muss passen und das immer und egal in welchem Alter des Pferdes. Ein nicht passender Sattel führt zu Verspannungen, Schmerzen und irgendwann auch zu Entzündungen. Da das Pferd dem Schmerz nicht ausweichen kann, wird es sich selbst falsch belasten, um dem Druck zu entgehen. Das führt dann zu Überlastungen auch an anderen Stellen im Körper.

Los-gelassen-Dressursattel. Entwickelt mit Frank Wohlhorn auf Passier.de unter Private Labels

Der Sattel muss zum Pferd, aber auch zum Reiter passen. Dabei ist ein Sattel mit einer flachen und breiten Sitzfläche und wenig Pauschen besser geeignet, unverspannt im Schwerpunkt des Pferdes zu sitzen, als ein Sattel, der den Reiter in eine unbewegliche Sitzposition manövriert und ihn dazu verleitet, sich an dicken Pauschen mit den Oberschenkeln festzuklemmen…

Das Gleiche gilt für ein unpassendes Zaumzeug oder ein Gebiss, das nicht zum Pferd passt oder die falsche Legierung hat. Schon die Größe und Passform des Stirnbandes entscheidet über Verspannungen oder Unverspanntheit am Kopf. Verspannungen am Kopf führen dann zu Verspannungen am ganzen Körper.

Gut passende Trense und dem Pferdemaul entsprechend richtig liegendes Gebiss.

 

Massage bei Verletzungen

Das Pferd hat sich gezerrt, vertreten, es sind Blockaden vorhanden oder es ist verletzt. Das alles kann zu Verspannungen führen und kann eine Massage notwendig machen oder aber auch genau das Gegenteil bewirken.

In einem solchen Fall sollte man zuerst mit seinem Tierarzt klären, ob die Situation des Pferdes eine Massage erlaubt. Das gleiche gilt für Arthrosen oder Kissing Spines. Bei einem Pferd mit Spatbefund sollte man auf bestimmte Dehnungsübungen verzichten. Sie könnten dem Pferd massive Schmerzen bereiten und in Verletzungen enden.

Bei Entzündungen sollte man weder Massieren noch Dehnungsübungen machen. Manchmal braucht der Körper erst einmal Ruhe, damit er sich erholen kann.

 

Noch mehr Vertrauen schaffen

Ein Grund ist, das Vertrauen zwischen Reiter und Pferd zu stärken und ein noch besseres Gefühl für sein Pferd und seine Bedürfnisse zu entwickeln. Dann ist es natürlich eine tolle Wellnesseinlage, wenn da einer steht, der einen einmal so richtig durchwalkt, alles wieder gut durchblutet ist und Pferd sich wieder locker und elastisch fühlt.

 

Solarium, Magnetfeld und Co.

Solarium und Magnetfeld sind gute Möglichkeit, Muskeln zu erwärmen, die Durchblutung anzukurbeln und Entspannung zu schaffen. Beides kann man vor und nach dem Reiten sehr gut einbinden.

 

Das richtige Longieren

Bei Rückenproblemen verspannen sich bei Fehlern beim Longieren und Reiten die mit Pfeilen markierten Bereiche.

 

Beim Longieren gibt es so viele unterschiedliche Ansätze und Überzeugungen, dass es fast nicht möglich ist, den richtigen Weg zu gehen. Ganz zum Schluss entscheidet die Gesundheit des Pferdes, was richtig und was falsch ist. Bei Pferden mit Rückenproblemen kommen immer viele Komponenten zusammen, die es möglich machen, dass sich ein Pferd wieder schmerzfrei bewegen kann oder aber auch nicht. Egal, welche Überzeugung man haben mag, man kommt nicht daran vorbei, dass der Rücken zum Schwingen kommt und das geht nur über Gebiss, Trense, Longierfutt oder Sattel und Dreiecks- oder Lauferzügel.

Pferde mit Rückenproblemen müssen in den meisten Fällen erst wieder lernen, dass der Rücken als Bewegungszentrum zum Schwingen kommen muss und dazu braucht es ein Gebiss, die korrekte Anlehnung, die richtige Halsfreiheit, das richtige Tempo und ein Hinterbein, das wieder durchtritt. Darüber lässt sich nicht disktutieren!

https://los-gelassen.com/gallery/aufbautraining-beim-pferd-so-bereite-ich-es-vor/

 

Die Reiteweise entscheidet!

Das Ziel ist immer die Losgelassenheit des Pferdes. Wird diese erreicht, verspannt sich ein Pferd nicht! Sieht zufrieden, rund und gut bemuskelt aus.

 

Über die unterschiedlichen Reitweisen werden endlose Diskussionen geführt und jeder glaubt, für sein Pferd den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Was richtig war und was nicht entscheidet die Gesundheit des Pferdes.

Neben Rückenproblemen gehören heute auch Fesselträger- und Sehnenschäden, frühzeitiger Verschleiß zu den Erkrankungen, die in ganz vielen Fällen auf falsches Reiten und eine fehlerhafte Ausbildung zurückzuführen sind.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit richtigen und falschen Wegen in der Ausbildung des Pferdes und habe Bücher über die Losgelassenheit, die korrekte Ausbildung und Rückenprobleme veröffentlicht. Die Erfahrung zeigt, dass man bei dem eingeschlagenen Ausbildungsweg immer auch die Aspekte der funktionellen Anatomie berücksichtigen muss, wenn man sein Pferd gesund erhalten will.

Unter diesem Gesichtspunkt ist ein Reiten nach den überlieferten Grundsätzen der Ausbildung sicherlich der einzige Weg, um ein Pferd langfristig gesund zu erhalten. Daneben ist der Faktor Zeit unverzichtbar. Nichts muss heute vom Pferd erlernt werden. Alles hat auch Zeit für die nächste Woche oder den nächsten Monat.

Regelmäßiges Ausreiten, viel Weidegang und alle 4-5 Tage einen Tag ohne Training helfen dem Pferd, sich zwischendurch immer wieder zu erholen. Das ist wichtig für die Psyche und auch für den Körper des Pferdes.

 

Überlastungen

Eine solche Reitweise führt schon bei jungen Pferden zu massiven Fehlbelastungen.

 

Wenn es dauerhaft zu einer Überlastung des Muskelapparates durch zu viel oder fehlerhaftes Training kommt, ist das neben einer Fehlbelastung von Gelenken, Bändern, Sehnen und Verspannungen auch mit extremem Stress für das Pferd verbunden. Verspannte Muskeln sind verhärtete und auch verkürzte Muskeln. Massage und Dehnungsübungen können dem Pferd helfen, eine körperliche Entspannung herbeizuführen. Unverzichtbar ist es, das Trainingspensum und die Anforderungen den Möglichkeiten des Pferdes anzupassen und gegebenenfalls zu reduzieren.

Auch sollte man sich nicht zu hohe Ziele setzen und immer wieder daran denken, dass auch ein Pferd viel Zeit braucht, um Gelerntes zu verinnerlich, auch schlechte Tage hat und vielleicht nicht alles das leisten und erreichen kann, was wir uns wünschen und vorstellen.

Wenn es einmal so ist, kann es sinnvoll und richtig sein, einen Tag Wiesenpause einzulegen, vielleicht einfach nur im Gelände Bummeln zu gehen, damit sich das Pferd auch innerlich loslassen kann. Nicht immer ist es angebracht Lektionen, Sprünge oder Reiten im schweren Gelände zu trainieren.

Pferde lernen langsam und so müssen die Anforderungen den Möglichkeiten des Pferdes angepasst sein. Die Muskeln des Pferdes wachsen ebenso langsam. ‚Viel Training hilft viel‘ ist also nicht unbedingt richtig. Deshalb sollte man immer wieder Pausen einlegen und dem Pferd Ruhe und Entspannung gönnen.

 

 

Wenn man es schafft, ein solches System zu initiieren, dann sind Rückenprobleme auch im Winter kein Problem und die Pferde bewegen sich innerlich und äußerlich losgelassen und unverspannt…

 

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